Kommentar: Crowdfunding ist geil, aber nervt!

Wer kennt Crowdfunding nicht? Die bekanntesten Plattformen dafür sind wohl Kickstarter und Indiegogo. Auch ich bin schon längere Zeit dabei und habe auch schon das ein oder andere Projekt unterstützt. Jedoch es gibt ein paar Sachen, die mich nerven, obwohl Crowdfunding selbst echt genial ist!

Punkt 1: Die Dinge, die eigentlich keiner braucht

Wer schon mal auf einer Crowdfunding-Plattform ein bisschen durch die Kategorien gestöbert hat, der wird sicherlich das ein oder andere interessante Projekt finden. Gerade im Bereich “Technologie” werde ich sehr oft fündig und bin sofort vom Projekt überzeugt. Doch bevor ich das Projekt unterstütze, geht mir jedes mal folgender Satz, den Sascha Pallenberg damals im Jahre 2015 auf der IFA in unserem Interview sagte, durch den Kopf:

“Das ist ja immer eine Sache zwischen dem, was man meint zu brauchen, das was man noch nicht hat, und die Bedürfnisse etwas zu brauchen, die erst entdeckt werden, wenn man über etwas erfährt, was auf den Markt kommt und wo man denkt „Oh, das brauche ich unbedingt!“. Dabei hast Du Dein ganzes Leben da gesessen und wusstest nichts davon und hast es auch nicht gebraucht.” – Sascha Pallenberg

Und gerade der letzte Satz ist ausschlaggebend, deshalb nochmal: “Dabei hast Du Dein ganzes Leben da gesessen und wusstest nichts davon und hast es auch nicht gebraucht.” So, und jetzt finde ich dann doch dieses tolle Projekt, was ich unbedingt brauche und unterstütze es. Wenn es dann endlich geliefert wird, dann wird damit rumgespielt und zwei Tage später liegt es in der Ecke, denn man braucht es jetzt nicht mehr, da man es hat. Das trifft zwar nicht auf alle Projekte zu, jedoch auf die meisten.

Punkt 2: Verzögerungen durch schlechte Organisation

Meine erste unterstützte Kampagne, genannt µConnect, war ein Ladekabel, welches sich mittels Magnet an das Smartphone stecken lässt, sodass man nicht jedesmal den Stecker in die Ladebuchse stecken musste. Meine Unterstützung war im Mai 2016 und naja, bis heute warte ich immer noch. Ein gutes halbes Jahr später wurde mir klar, dass es bereits solche Kabel auf Amazon gibt. Wie sagt man so schön? Im Nachhinein ist man immer schlauer. Mein zweiter Fall war bei Walli, dem smarten Geldbeutel, welchen ich Dir bereits hier vorgestellt habe.

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Walli Timeline für Bestellungen | Quelle: Indiegogo

Im oberen Bild heißt es, dass im August 2016 alle InDemand Bestellungen erfüllt sein sollen. Ich habe das Wort Fulfillment extra nochmal nachgeschlagen und dort heißt es:

Fulfillment ist die Gesamtheit aller Aktivitäten, die nach dem Abschluss eines Vertrags der Belieferung des Kunden und der Erfüllung der sonstigen Vertragspflichten dienen.” – Wikipedia

Mit einfachen Worten: Im August sollte der Geldbeutel da sein. Doch Pustekuchen! Wobei… Am 31. August bekam ich eine E-Mail mit meinem Tracking-Link und rechnete deshalb mit maximal noch einer Woche, doch auch in dieser Zeit tat sich nichts. Erst einen halben Monat später erreichte mich folgende Mail:

Dear Kevin Theil:
Just a quick update following the email you have received on September 1 with the Tracking Number for the shipping of your Walli Wearables Inc. order.
This mail was sent by us in advance, to notify you we were about to ship your order, however due to an unforeseen delay from Walli Manufacturing center we have yet to receive the stock to fulfill your orders.
According to Walli, we estimate to receive the stock on October 5 and once it is received, we’ll ship out your order at the earliest convenience!
We’re sorry if any confusion was created in regards to our last e-mail.
Please let us know if you have any questions.
Have a good day.

Kurz gesagt gab es eine unerwartete Verzögerung und Walli wird voraussichtlich erst am 5. Oktober im Lager ankommen und ab da dann verschickt. Das ist aber eine ganz schön große Verzögerung! Na gut, mehr als warten konnte ich auch nicht und Anfang November war es dann endlich soweit, das Paket war da – nach unglaublichen fünf Monaten! Und nebenbei gesagt: Der Tracking-Link wurde erst Mitte Dezember aktualisiert…

Punkt 3: Produkte, die nur halbwegs funktionieren

Ich wollte schon immer smarte Gadgets besitzen. Warum also nicht gleich einen smarten Wecker? Es war Beddi, auf den ich damals gestoßen bin und sofort unterstützt hatte – trotz meinen bisher durchwachsenen Erfahrungen im Crowdfunding. Und ich war erstaunt, denn es verlief alles nach Plan und das Paket kam sogar schneller als erwartet an. Obwohl ich mehr so der Freu-dich-nicht-zu-früh-Typ bin, hab ich es leider getan und auch direkt eins auf die Mütze bekommen.

Die App

Lass mal die obigen Screenshots auf Dich wirken. Ja, mich hat’s auch zuerst geschockt, als ich die App zum ersten Mal geöffnet habe. Dann dachte ich mir: „Solange die App wenigstens funktioniert, ist alles (halbwegs) gut.“

Der (zuverlässige) Wecker

Voller Vorfreude habe ich dann die Weckzeiten eingerichtet (nachdem ich endlich mal eine Bluetooth-Verbindung aufgebaut hatte), mir einen schönen Weckton ausgesucht und gleichzeitig das angenehme Wecklicht aktiviert. Da ich neuen Weckern erstmal nicht traue, laufen parallel zwei “normale” Wecker etwas zeitversetzt. Und dreimal darfst Du raten, was passiert ist: Beddi hat zwar das Licht angemacht, aber keinen Weckton abgespielt. “Passiert jedem mal”, dachte ich mir und am nächsten Tag waren meine Erwartungen nicht mehr so hoch, doch erstaunlicherweise klingelte er. Das Beste ist ja, was ich so nach einiger Zeit rausgefunden habe: Man kann bei Beddi vier Weckzeiten einstellen, der Wecker klingelt allerdings nur bei drei davon. Toll. Genau so einen Wecker habe ich mir gewünscht.

Punkt 4: Unzufrieden, zurücksenden und Geld zurück?

Wer Glück hat, der kann den Support, den es ja oftmals nur spärlich oder gar nicht gibt, kontaktieren und bekommt ein Ersatzgerät oder sogar sein Geld zurück. Doch leider bedarf dies viel Glück, denn – so hat mir das ein netter Support-Mitarbeiter erklärt – mit Deinem Beitrag (bspw. einem Perk bei Indiegogo) unterstützt Du das Projekt und als Dankeschön erhältst Du dann ein Geschenk (den Perk). Theoretisch kann man sein Geschenk schon zurückschicken, doch dafür dann so gesehen “Geld zu verlangen” geht rein rechtlich überhaupt nicht. Heißt: Einmal investiert und es gibt im Normalfall keinen Weg zurück. Hier empfiehlt es sich dann, das Produkt lieber weiter zu verkaufen oder bereits vor der Investition genauestens darüber nachzudenken, ob man es wirklich braucht oder ob es dann nach zwei Tagen in der Ecke liegt.

Crowdfunding ist geil, aber nervt!

Das sind meine persönlichen Erfahrungen mit Crowdfunding, die dann letztlich eher durchwachsen sind. Meinen smarten Wecker Beddi habe ich mittlerweile soweit “erzogen”, dass er mich jeden Tag zur passenden Uhrzeit weckt. Trotzdem läuft nebenbei immer noch ein Handywecker für den Fall der Fälle. Mein smarter Geldbeutel, Walli, ist bisher das einzige Projekt, was mit sehr guter Qualität und einer schicken App sowie Funktionsfähigkeit überzeugen kann. Zukünftig werde ich mich lieber von Crowdfunding distanzieren, auch wenn da teilweise wirklich coole Sachen dabei sind. Am Ende wird es vermutlich, zumindest bei meinem Glück, wieder auf ein halbfertiges Produkt hinauslaufen. Im Grunde steht jedoch eines fest: Wer StartUps mittels Crowdfunding unterstützen möchte, der muss eben mit diesen Punkten rechnen und steht manchmal sogar mit leeren Händen da, weil die Entwicklung eines bereits erfolgreich finanzierten Projekts unerwartet eingestellt wird oder im schlimmsten Fall wird der benötigte Finanzierungsbetrag nicht erreicht. Letzteres ist der Grund, warum ich hauptsächlich Kampagnen unterstütze, die fast vollständig finanziert wurden.

Wie sind denn Deine Erfahrungen mit Crowdfunding? Kannst Du meine Punkte nachvollziehen oder hattest Du noch nie irgendwelche Probleme?

Quellen: Techtag    

2 Kommentare

  1. Ich unterstütze zur Zeit das eZelleron Kraftwerk ( liegt über 1 Jahr hinter dem Zeitplan ) und Muzo – Your Personal Zone ( soll Februar 2017 ausgeliefert werden ). Ich bin gespannt, ob die Geräte jemals bei mir eintreffen werden und ob sie das leisten, was versprochen wurde.

    1. Hallo mr.philips,

      ich hab mir gerade die beiden Projekte angeschaut und muss sagen, die sind echt genial 😀
      Aber wie Du sagtest, ob diese am Ende wirklich halten können, was sie versprechen bleibt offen.
      Wenn die Projekte dann irgendwann bei Dir eintreffen sollten, würde ich mich freuen, wenn Du mir deine Erfahrungen schildern könntest. Schreib mir dann einfach eine E-Mail an kevin.theil@appkosmos.de.

      Viele Grüße

      Kevin

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