Kommentar: Der Microsoft Bashing-Wahnsinn

Microsoft, das ist ja Wahnsinn! Dieses neue Windows-10-Feature ist brandgefährlich“, „Microsoft, entspannt euch mal! Win-10-Zwangsupgrade bringt wohl doch nichts.“ oder auch „„Upgrade auf Windows 10 in fünf Tagen“: Jetzt macht Microsoft richtig ernst“ – So oder so ähnlich liest es sich fast tagtäglich auf bestimmten Technikportalen im Internet. Microsoft-Bashing Deluxe. Wieso wir Microsoft nicht in den Schutz nehmen wollen, aber „Chip.de“, „Focus Online“, „Curved“ und Co. an den Pranger stellen, lest Ihr jetzt.

Chip-Durchgestrichen

Chip-Startseite; Quelle: Screenshot von Chip.de

Darf ich vorstellen? Der Teufel: Microsoft

Windows runter zu machen ist genau wie FDP-Bashing zum Volkssport geworden. Egal was, es ist schlecht. So kommt es uns jedenfalls vor, wenn wir es tatsächlich mal in einem sehr unwahrscheinlichen Fall (und wahrscheinlich stark alkoholisiert) wagen, „Technikportale“ wie „Chip.de“ oder „Curved“ zu besuchen. Ich meine, wir kennen die Seiten ja alle: Clickbaiting ohne Ende mit reißerischen Überschriften, Schrott-News usw. Langweilig! Was mich interessiert, ist, wieso Microsoft und Windows in einigen Portalen oder auch den normalen Medien als das pure Böse dargestellt wird. Ich weiß: Ein PC-Laie könnte mir in Sekundenschnelle erklären, dass es beispielsweise Datenschutzprobleme bei Cortana oder anderen Systemteilen gibt, um im gleichen Augenblick bei einem unseriösen Chinashop über eine ungesicherte Verbindung die erstbeste Technik-Fälschung mit Angabe seiner Kontonummer usw. zu bestellen. Versteht mich nicht falsch: Nur weil viele Menschen heutzutage achtloser mit ihren privaten Daten umgehen, sollte das Betriebssystem nicht gleich seine Privatwanze darstellen. Dass sich viele Systemteile auch einfach ausstellen lassen, findet nur kaum Erwähnung.

Microsoft mit Heiligenschein

Microsoft-Logo mit Heiligenschein; Quelle: Wikipedia Commons

Bla, bla, bla…

Mindestens genauso nervt mich übrigens die immerwährende Behauptung, „Windows 10“ würde sich automatisch installieren. Zugegeben: Microsoft war mit grenzwertigen Mitteln unterwegs, um  „Windows 10“ bis zum 29. Juli unter den Mann – pardon, die Frau – zu bringen, aber all diese lassen sich relativ einfach abwählen, ausstellen usw. Wisst Ihr, von den ganzen Funktionen wie Cortana, Edge oder dergleichen abgesehen, gibt es meiner Meinung nach einen unglaublich triftigen Grund, umzusteigen: erweiterter Supportzeitraum. Ich bekomme bis zu vier Jahre mehr Support auf mein Windows? Geil! Umso unverständlicher wird der Aufschrei der großen Masse der Leute, wenn Microsoft den Support für Betriebssysteme wie Windows XP nach fast 10 Jahren aufgibt. Zum kurzen Vergleich: Android-Support erhaltet ihr durchschnittlich zwei bis drei Jahre, wenn Ihr Glück habt. Wo ist der Aufschrei gegenüber Google, obwohl Google kaum selber Schuld hat, sondern die Hersteller der Geräte.

Nadella Präsentation

Nadella bei Microsoft Präsentation; Quelle: TheStreet

Apple Verherrlichung anstelle von seriöser Berichterstattung

Mobilegeeks-Leserhilfe

Mobilegeeks-Leserhilfe, Quelle: Mobilegeeks.de

Übrigens hat ein weiterer Artikel meine absolute Aufmerksamkeit auf sich gezogen, und das leider nicht in einer positiven Art und Weise. Die „//build/“ ist eine Entwicklermesse von Microsoft, die für Entwickler gedacht ist. Nach der Messe stellte sich der werte Chip-Redakteur doch tatsächlich vor die Kamera und beschwerte sich, dass Microsoft Codes gezeigt habe (ist ja gerade bei Entwicklern geradezu ein Unding) und keine neue Hardware, dass das Event ja auch allgemein sehr langweilig gewesen sei und er sich als Nicht-Entwickler gar nicht angesprochen gefühlt habe. Das könnte zufälligerweise daran liegen, dass die Messe für Entwickler gedacht war und nicht für irgendwelche Möchtegern-Computerfritzen von „Chip.de“, „Focus“ oder „Curved“ usw. Um die schönsten Aussagen zu zerpflücken: Codes Entwicklern zeigen. – Also, das geht ja gar nicht! Keine neue Hardware. – Was für einen Sinn würde es für Microsoft machen, Hardware wie ein neues Surface auf einer Entwicklermesse vorzustellen, wobei die Entwickler erstens nichts mit diesem anfangen können und sie sich zweitens nicht der vollen Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit sein können, weil die „//build/“ nun einmal als Entwicklermesse ausgelegt war. Eine Personengruppe, die für Microsoft in Zeiten von Universal Apps und der Verknüpfung von Windows 10 auf allen Plattformen enorm wichtig ist. Mit diesen steht und fällt der Erfolg von Microsoft. Gekrönt hat für mich die Aussage, dass Microsoft sich bei seinen Messen mal ein Beispiel an Apples „immer spannenden“ (Zitat Redakteur Chip) Präsentationen nehmen sollte. Ich erinnere in diesem Zusammenhang an die Vorstellung des iPhone SE, wo sich noch nie so viele Techblogger und -experten einig waren wie noch nie, dass die ganze Vorstellung einfach langweilig und vorhersehbar war.

Qualität oder Quantität?

Auch wenn sich der Artikel wahrscheinlich noch bis ins Unendliche fortführen lassen könnte (Einen schönen anderen Artikel über schlechten Journalismus findet Ihr auf Mobilegeeks.de), lässt sich im Prinzip nur damit schließen, dass man die Produkte und Hardware Microsofts nicht nutzen und die Firma auch nicht besonders mögen muss, aber das gibt einem nicht den Freifahrtschein, fröhlich drauflos zu haten. Das Gleiche gilt übrigens auch für Google, Apple, Blackberry und Co. Ich bitte und rufe Euch auch dazu auf, Seiten wie „Chip.de“ künftig zu meiden. Gebt qualitativen und sinnvollen Beiträgen eine Chance.

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