Evoland – RPG-Geschichte in einem RPG

Rollenspiele stellen wohl den mit Abstand größten und kommerziell erfolgreichsten Teilbereich der Computerspieleindustrie dar. Und da das eigentlich auch schon immer so war, bietet sich ein RPG (Role-Play-Game) welches die Entwicklung der Videospiele zum Thema macht natürlich hervorragend an. Dürfen wir vorstellen: Evoland.

Aller Anfang ist… nach rechts laufend?

Evoland beginnt – als Spiel, welches dem Spieler die Entwicklung der Computerspiele hautnah mit erleben lassen möchte – nicht irgendwo, sondern tatsächlich ganz am Anfang. Bei den aller ersten Computerspielen handelte es sich um Spiele, die einem vorgegeben Verlauf folgten und wo der Spieler im Prinzip nur etwas tun konnte, oder eben nicht. Klingt kryptisch?

Man denke beispielhaft an Tic-Tac-Toe. Man muss ein Kreuz setzten, die einzige Entscheidungsgewalt, die beim Spieler liegt ist der Ort des Kreuzes. Tatsächlich war ein Spiel namens „OXO“, eine in 1952 veröffentlichte PC-Version von Tic-Tac-Toe, eines der ersten wirklichen Computerspiele. Evoland fängt dabei so ähnlich an. Der Spieler kann nur nach rechts laufen – entweder laufen oder stehen bleiben. Das geht so lange, bis man auf eine Truhe stößt, die dem Spieler auch das nach links Laufen ermöglich.

Im Folgenden läuft man so lange nach links, bis man auf eine Truhe stößt, die einem die Möglichkeit gibt, sich endlich in 2D bewegen zu können. Im Großen und Ganzen ist das auch schon die Erzählweise der Historie, die hier erzählt wird. Man rennt von Truhe zu Truhe und kann die Weiterentwicklung von RPGs im Speziellen im Zeitraffer selbst erleben.

Nach der zweidimensionalen Fortbewegung und der Erfindung des Bildlaufes kommt… Richtig, der Soundtrack!

Die eigentliche Story

Da wir hier von einem ROLLENspiel reden, stellt sich natürlich die Frage welche Rolle der Spieler einnimmt. RPG typisch ist der Spieler hier ein Held, der tut was Helden nun mal so Tag ein Tag aus tun: alle retten. Tatsächlich kann man hier nicht viel historische Entwicklung unterbringen, schließlich ist der Mensch was Storytelling angeht im Großen und Ganzen doch recht vorhersehbar und unkreativ. Den Archetyp der sog. „Heldenreise“ nutzten schon die alten Griechen in ihren Mythen und Legenden sehr gerne.

Und das hat sich bis heute nicht geändert. Das moderne Kino, allem voran Hollywood, aber eben auch die Storylines der allermeisten RPGs lassen sich doch recht akurat mit diesem Archetyp einer Geschichte beschreiben. Evoland setzt hier aber doch noch einen drauf und besitzt wirklich eine über die Maßen austauschbare Story. Jedoch ist das hier keinesfalls mangelnder Kreativität geschuldet. Vielmehr ist es eine Parodie dessen, was man seit je her von Pokémon, The Elder Scrolls, The Legend of Zelda, Super Mario Bros. etc. vorgesetzt bekommt.

Ein Held, sein Schwert und die Monster. Was braucht es mehr?

Ohne zu spoilern – schließlich kennen wir die Story schon alle irgendwie – treffen wir, als wir uns heldenhaft durch die von Monstern bewohnte Wildnis schlagen auf ein Mädchen, das wir natürlich retten (müssen). Nachdem wir uns, ohne eine andere Wahl zu haben, vorstellen erzählt sie uns dass ihr Dorf in Gefahr ist und gerettet werden muss (von uns). Und genau das werden wir dann auch im Folgenden tun.

Der Held kämpft sich durch eine Mine (mit für Minenverhältnisse sehr schönen Wänden; und der Boden erst!), um einem mächtigen magischen Kristall zu besorgen!

Anspielungen soweit das Auge reicht

Wenn eines in einem Videospiel nicht fehlen darf – jedenfalls meiner bescheiden Meinung nach -, dann sind es kleine Anspielungen und Querverweise zu diversen anderen Quellen von denen man sich hat inspirieren lassen. So erinnert die Grafik, welche sich natürlich auch im Laufe des Spiels drastisch verbessert, zeitweise doch recht stark an die Gestaltung so einiger Pokémon-Spiele. Vom Design des Kampfsystems und den unvorhersehbaren Angriffen in der Wildnis mal ganz abgesehen.

Ein Schelm, wer hier an Pokémon denkt!

Durchaus beachtenswert sind in diesem Zusammenhang aber auch die vielen kleinen Kommentare seitens des Entwicklers, wenn man mit Truhen öffnet. Nicht nur kommentieren sie durchaus humorvoll die Weiterentwicklungen des Spiels selber, sie sticheln auch ein wenig in Richtung diverser großer Spielereihen. So sind z. B. allem voran die Pokémon und The Legend of Zelda-Spiele doch recht Kinderlastig, wenn es um die Proatagonisten geht. Das kann Evoland natürlich nicht unkommentiert lassen!

Fazit: Ein Spiel, zwei Geschichten

Evoland ist ein nettes kleines RPG, welches nebenbei noch für etwas Nostalgie sorgt. Dabei ist es selbst im Stadium der Pixelbrei-Grafik durchweg ansprechend designt. Das ist schwerer zu bewerkstelligen, als man vermutlich denken mag! Humor findet sich auch noch nebenbei an einigen Stellen. Insgesamt also ein durchaus lohnenswertes Spiel!

8.8Score9Funktion10Bedienung9Design7Umfang9Editor's Choice
Evoland
Evoland
Entwickler: Playdigious
Preis: 4,99 €