Die Macht der Android Debug Bridge

Der achte Teil der Star Wars-Saga läuft in den Kinos und die Macht ist in aller Munde. Doch was ist mit anderen, ebenfalls machterfüllten Dingen wie der Android Debug Bridge, kurz ADB? Was bei PC bzw. Windows auch von dem ein oder anderen Leien gerne genutzt wird, schlicht und ergreifend, weil es praktisch ist, entzieht sich bei Smartphones oft gar dem Bewusstsein über ihre Existenz. So wird ADB fast nur von Programmierern genutzt, obwohl es viele interessante Möglichkeiten bietet. Zeit für etwas Aufklärung!

Warnung: Bei eventuellen Beschädigungen oder gar Zerstörung übernehmen weder wir noch der Hersteller die Verantwortung! Die Verwendung dieser Anleitung erfolgt auf eigene Gefahr!

Vorweg sei zugegeben, dass ADB Shell etwas unpraktischer aufzurufen ist als beispielsweise die Kommandozeile von Windows. Zwar ist das Grundprinzip bei beiden „Programmen“ dasselbe: die Umgehung grafischer Oberflächen – und damit auch Umgehung der damit einhergehenden Einschränkungen – zur Ausführung von Befehlen. Doch ADB ist, wie das Wort „Bridge“ schon andeuten lässt, ein Fremdzugriff auf die Kommandozeile, also nicht wie unter Windows, wo CMD ein vorinstalliertes Programm zum Zugriff auf die Kommandozeile ist. Der Weg über ADB führt via PC und USB-Kabel zum Ziel.

Kommandozeile? Was ist das?

Doch zunächst zur Erklärung des Hintergrundes. Klickt man auf einen Button in einem Programm, so führt dies dazu, dass das Programm im Prinzip den Befehl an das Betriebssystem schickt. Die Kommandozeilen-Programme wie bspw. CMD bei Windows machen exakt das Gleiche, nur dass der Befehl händisch manuell und nicht mit Hilfe eines Objektes „gesendet“ wird. Was prinzipiell mehr Arbeit ist, wird zum Vorteil, wenn man Befehle und Aktionen ausführen will, für die es keine grafische Bedienoberfläche gibt, oder aber, wenn ebendiese Bedienoberfläche in den tiefsten Tiefen des Systems vergeben sind und etliche Klicks nötig sind, um dorthin zu gelangen. Dann ist es oft schlicht schneller und leichter, CMD zu öffnen und den Befehl einzutippen.

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Der Weg über die ADB

Das ist im Grunde bei Smartphones in der Art nicht notwendig, da Android schlicht nicht derart „aufgeblasen“ und komplex ist wie bspw. Windows. Daher heißt der Artikel auch nicht „Die Macht der Android Shell“. Der Faktor liegt in dem Fremdzugriff, der über die sog. Android Debug Bridge zur Shell aufgebaut werden kann. Dafür muss erst ein entsprechendes Programm auf dem PC installiert werden – entweder die komplette ADB, was für den Zweck unnötig ist, oder aber das Programm „Minimal ADB and Fastboot“ – und am Smartphone muss in den Entwickleroptionen (aufrufbar über mehrmaliges Tippen auf die Build-Nummer in den Einstellungen) das USB-Debugging aktiviert werden. Verbindet man noch sein Smartphone via USB-Kabel mit dem PC, dann kann es losgehen. Man kann nun mit dem Befehl adb devices überprüfen, ob das Gerät erkannt wird. Weiter kann man mit dem simplen Befehl adb shell eben jene Kommandozeile öffnen, welche einem die völlige Steuerung des Betriebssystems erlaubt. Nun kann man also sein Smartphone vom PC aus steuern.

Möglichkeiten mit ADB

Im Grunde genommen sind die Möglichkeiten schnell aufgezählt. Wie oben bereits erwähnt, sieht die durchschnittliche Nutzung der Android Debug Bridge seltener so aus, dass man wie bei Windows mal kurz verstecktere Menüs aufruft. Zwar lässt sich dies bzw. allgemein die Steuerung von Android auch über Apps wie „Android Terminal Emulator“ etc. regeln, aber das ist mehr Spielerei. ADB ist viel mehr Mittel zum Zweck als aktives Werkzeug. Der größte Nutzen findet sich dabei im Bereich des Rootens und der Modifikation von Android. Denn kaum ein Smartphone wird z. B. ohne ADB gerooted.

Warnung: Was sind Root-Rechte? Unter dem Rooten eines Gerätes mit Android versteht man das Verschaffen von erweiterten Rechten auf Systemebene durch den Nutzer. Benutze ADB und Root bitte immer mit Vor­sicht. Roote Dein Gerät nur, wenn Du Dich mit Android sehr gut aus­kennst. Denn wer roo­tet, ändert sein Gerät auf Sys­te­me­bene. Die Gefahr eines Scha­dens ist mit­un­ter gege­ben. Durch das Flas­hen von ROMs oder Custom Firm­ware kann die Garan­tie ver­lo­ren gehen. Weder wir noch der Her­stel­ler über­neh­men Ver­ant­wor­tung bei even­tu­el­len Schä­den oder Garantieverlust!

Denn dafür muss bei fast allen Smartphones vorher der Bootloader entsperrt werden, was über einen Befehl in ADB bzw. via Fastboot – wobei Fastboot quasi das Gleiche wie ADB ist, nur auf Firmwareebene –  erledigt wird. Und auch das Rooten des Gerätes wird fast immer (falls nicht gerade aufgrund etwaiger „Sicherheitslücken“ im System One-Klick-Methoden zur Verfügung stehen) über die Android Debug Bridge und Fastboot vollzogen. Gefolgt von der Installation der alternativen Recoverys und Custom-ROMs, was (zumindest so lange noch keine Custom-Recovery installiert ist) auch wieder über diese beiden Schnittstellen durchgeführt wird, da es schlicht leichter ist.

Die unbestreitbare Macht der Root-Rechte und Custom-ROMs etc. im Bezug auf neugewonnene Funktionen hängt direkt von der Android Debug Bridge ab. Im allgemeinen Fall gilt: kein ADB, keine Root-Rechte etc. Etwas weniger radikal geht es seit Android Nougat weiter. Denn hier wurde Android insoweit verändert, als dass Apps bei Gewährung bestimmter Berechtigungen (welche vorher Root-Berechtigungen waren) Möglichkeiten zur Anpassung von Android und seiner Benutzeroberfläche ermöglichen. So gibt es Apps, welche nach Ausführung eines Befehls in ADB Shell die Navigationsleiste oder bspw. die Schnelleinstellungen komplett verändern und anpassen können. Das sind Möglichkeiten, welche sich ohne Benutzung von ADB nicht ergeben.

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Und nun zu einer weiteren Möglichkeit, bei dessen Nutzung ich begann, ADB – über die Ermöglichung der Root-Berechtigungen hinaus – ernst zu nehmen. Zugegeben ein sehr spezieller Anwendungsfall, aber dennoch ein wichtiger, wie ich finde. Mir war mein geliebtes Motorola Moto X² heruntergefallen… mit denkbarer Folge.

Das Display war beschädigt undzwar soweit, dass nicht nur das Glas gebrochen, sondern auch der Touchscreen defekt war. Eine Reparatur war unwirtschaftlich und per se die einzige Möglichkeit, an die intern gespeicherten Daten zu kommen, da man bei Anschluss via USB an Smartphone schließlich die Übertragung von Daten erlauben muss. Letztes wird ohne funktionierenden Touchscreen jedoch etwas kompliziert. ADB Shell jedoch hat es mir problemlos ermöglicht, die Daten mit dem Befehl adb pull (gefolgt vom Dateipfad) von meinem Smartphone herunter zu kopieren. So wurde die Android Debug Bridge dank Zweckentfremdung (da sie ja eigentlich für Entwicklungszwecke gedacht ist) zum Retter in der Not.

Kurz zusammengefasst: ADB ist vielseitig und mächtig!

Die Android Debug Bridge kann Spielerei und Retter in der Not, aber auch mächtiges Hilfsmittel bei der Anpassung und Modifikation von Android sein. Zwar ist die Nutzung zu Beginn etwas umständlich, aber nach kurzem Arbeiten mit den Befehlen ist ADB nur noch geringfügig komplizierter als bspw. CMD bei Windows.

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